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Der Ball springt nicht für Heilbronn

Von Stephan Sonntag

Der Ball springt nicht für Heilbronn

Rugby - Das Wetter veranschaulichte die Stimmung des TSG-Rugbyteams. Mit Sonnenschein, 23 Grad und einer frühen Führung gelang am vergangenen Samstag im Derby gegen den Freiburger RC ein perfekter Start. 90 Minuten später ging ein Regen-Hagel-Wolkenbruch über dem Sportplatz am Justinus-Kerner-Gymnasium hernieder. Niedergeschlagen trotteten die abgekämpften Spieler vom Feld − 21:31 verloren. Premiere in der 3. Liga Süd-West misslungen. "Die Chancen standen 50:50. Ich hatte gehofft, der Ball springt für uns. Er hat es aber nicht getan", sagte TSG-Trainer Heinrich Mödinger.

 

 

Kopf runter


Höchstens am Anfang. Schon mit dem ersten Angriff gelang den Heilbronnern gegen den Mitaufsteiger aus der Regionalliga der erste Versuch. Mit einem Strafkick erhöhten sie kurz darauf sogar auf 8:0. Doch ab Mitte der ersten Halbzeit kamen die Breisgauer immer besser ins Spiel. Zwei Versuche und ein Dropkick sicherten ihnen eine 13:11-Pausenführung. "Wir müssen den Ball halten, nicht ständig nach vorne kicken. Nehmt den Kopf runter und geht in die Zweikämpfe. Wenn es knallt, dann richtig", forderte Kapitän Marcel Kapolla in der Halbzeit seine Kollegen auf.

Trainer Mödinger mahnte sein Team, diszipliniert zu bleiben. Im ersten Durchgang hatte es viele Diskussionen mit und über den Schiedsrichter gegeben. Der Fairplay-Kodex im Rugby erlaubt normalerweise nur dem Kapitän eines Teams, mit dem Referee zu sprechen. Doch normal war auch nicht, dass mit Jonas Viehöver ein Akteur aus den eigenen Reihen die Partie leitete. "Der ursprünglich angesetzte Schiedsrichter musste wegen eines Zweitligaspiels kurzfristig absagen. Um überhaupt spielen zu können, haben wir uns mit den Freiburgern auf diese Lösung geeinigt", erklärte Kapolla.

"Er überkompensiert, damit es nicht heißt, dass er für sein Team pfeift", analysierte Heinz Albers am Spielfeldrand. Der pensionierte Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium ist der Ziehvater des Heilbronner Rugbyteams. Das Gerüst der Mannschaft stammt aus seiner Schul-AG. "Ich bin stolz darauf, den Jungs beigebracht zu haben, dass das Team immer über dem eigenen Ego steht", sagt Albers, der vor 35 Jahren in Köln mit dem Rugbyspielen begann und später in Heidelberg aktiv war. Und während sich seine ehemaligen Schüler auf dem Feld nach 11:20-Rückstand wieder auf 16:20 herankämpften, sagte Albers: "Wir könnten hier in wenigen Jahren hochklassiges Rugby haben, aber es fehlt an Rückenwind von Seiten der Stadt. Heilbronn wäre ein idealer Standort."

Offene Schleusen

Kurz darauf öffnete der Himmel alle Schleusen − und ebenso die TSG-Hintermannschaft. Freiburg zog auf 31:16 davon − das Spiel war entschieden, der letzte Heilbronner Versuch nur noch Ergebniskosmetik. Eines dürfte Albers dennoch stolz gemacht haben. Der viel gescholtene Schiedsrichter wurde hinterher mit in den Spielerkreis genommen. "Er hatte heute die schwerste Aufgabe von uns allen", sagt Mödinger. Schulterklopfer, Applaus, Handshakes. Das gibt es wohl nur im Rugby.

An diesem Samstag, 15 Uhr, auf dem JKG-Sportplatz gegen die RG Heidelberg II.